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Anfänge unserer Kirchengemeinde

von Ortwin Schmidt / Bilder wurden von Hermann-Walter Buch zur Verfügung gestellt

Gosenbach gehörte bis 1898 zum Landkreiskirchspiel Siegen. In diesem Jahr kam der Ort, nachdem schon längere Zeit in der Schule Gottesdienst und Unterricht gehalten worden waren, zu der neu gegründeten Kirchengemeinde Niederschelden. Oberschelden gehörte seit jeher zum Kirchspiel Oberfischbach und war Kapellengemeinde. 1775 wurde eine neue Kapellenschule eingeweiht. Der Pfarrer hielt dort Bibelstunden. Sonntägliche Lesegottesdienste gehörten zum Amt des Lehrers. In der Kapelle waren Orgel und Empore vorhanden. Der massive Kapellenteil mit höher gelegtem Boden ist erhalten. Der Heimatverein Oberschelden zeigt dort eine heimatgeschichtliche Sammlung.

Nach dem 2. Weltkrieg fanden in beiden Orten, in den Vereinshäusern der Evangelischen Gemeinschaften, Früh- oder Nachmittagsgottesdienste statt. Mit über 3600 evangelischen Einwohnern war die Kirchengemeinde Oberfischbach für einen Pfarrer sehr groß. Ohne Oberschelden hätte das Kirchspiel mit 8 Ortschaften etwa 2700 Seelen gehabt. In dem II. Pfarrbezirk Niederschelden, mit Gosenbach, Niederschelderhütte, Mudersbach, Birken und Brachbach kamen über 3900 Gemeindeglieder auf einen Pfarrer. Gosenbach und Oberschelden hatten damals mit über 2700 Einwohnern die Größe eines Pfarrbezirkes. In Gosenbach waren 270 und in Oberschelden 146 Flüchtlinge zugezogen. Beide Orte liegen verkehrsgünstig in einem Tal. Was lag da näher, als eine eigenen Kirchenbezirk mit den Dörfern Gosenbach und Oberschelden zu bilden.

Das Presbyterium in Niederschelden war Vorreiter. Es beschloss im Oktober 1947 die Einrichtung einer eigenen Pfarrstelle in Gosenbach. Der Beschluss war nur einen Monat später bereits überholt. Aus nächsten der Sitzung am 27.11.1947 ist protokolliert:

" Eingemeindung des Ortes Oberschelden aus der Kirchengemeinde Oberfischbach in unsere Kirchengemeinde. Errichtung einer 3. Pfarrstelle. Schaffung eines gottesdienstlichen Raumes.

Nach längerer Aussprache über diesen Punkt beschloss das Presbyterium, dass eine Kommission, bestehend aus dem Vorsitzenden des Presbyteriums oder Herrn Superintendenten Achenbach, dem Kirchmeister und Presbyter Stracke mit der Gewerkschaft Eisenzecherzug in unverbindliche Verhandlungen über den Erwerb oder Pachtung des ehemaligen Fördermaschinenhauses II der Grube Storch und Schöneberg einzutreten und Unterlagen für eine Entscheidung des Presbyteriums zu beschaffen.

Die Errichtung einer 3. Pfarrstelle wird besprochen, die Entscheidung aber vertagt."

Die Verhandlungen über das Maschinenhaus zogen sich hin, hatten aber Erfolg. Im Juli 1949 berichtet der Vorsitzende Pastor Vetter dem Presbyterium Niederschelden positives über den Erwerb des Kirchengrundstückes und Fördermaschinenhauses in Gosenbach.

 

Am 15. Mai 1951 teilt Pastor Vetter dem Presbyterium mit: " ....daß nunmehr am 25. April der Schenkungsvertrag über die neue Maschinenhalle der früheren Grube Storch & Schöneberg ausgefertigt ist. Anteilige Vermessungskosten betragen 900 DM". Das Landeskirchenamt und der Regierungspräsident genehmigten die Schenkung.

 

Das Fördermaschinenhaus, aus dem später die Kirche entstand.

Die Eingangsseite.

Ein Raum für eine Kirche war vorhanden, aber noch keine Gemeinde.

Ein schwerer Entschluß

Superintendent Achenbach schreibt 1953 im Rückblick:

"Zu einer ersten Gemeinde-Versammlung vor etwa 6 Jahren in Oberschelden begegnete der Gedanke einer Eingemeindung, der von dem Unterzeichneten dargelegt wurde, bei der älteren Generation aus Gründen der Tradition noch lebhaftem Widerspruch. Eine aus der Versammlung geforderte Abstimmung ergab aber schon eine geringe Mehrheit für die kirchliche Verbindung Oberschelden - Gosenbach."

Der erste Hinweis im Kirchenarchiv Oberfischbach zu dem Vorhaben findet sich im Abkündigungsbuch vom 15.6.1952 : "Am kommenden Sonntag ist um 8 Uhr Gottesdienst in Oberschelden (Sup. Achenbach) und um 8 Uhr in Oberfischbach (P. Adam). Im Anschluß an den Gottesdienst in Oberschelden wird dort eine Gemeindeversammlung stattfinden, in der die Frage der Bildung eines neuen Pfarrbezirkes, bestehend aus Gosenbach und Oberschelden, erneut besprochen werden soll".

Vom Ergebnis dieser Versammlung berichtete der Superintendent nach Bielefeld:

"..wurde in einer Gemeindeversammlung am 22. Juni 1952 der Anschluß energisch und bald gefordert. Bei der Abstimmung enthielten sich von über 70 Gemeindegliedern nur etwa fünf, alle anderen wünschten eine Eingemeindung nach Niederschelden mit der Errichtung einer neuen Pfarrstelle Gosenbach – Oberschelden".

Zu der Einrichtung einer Pfarrstelle in Gosenbach beschließt das Presbyterium Oberfischbach am 14.11.1952:

"Presbyterium nimmt Kenntnis von dem Beschluß des Presbyteriums Niederschelden vom 22.7.1952 betr. Gründung einer 3. Pfarrstelle in Niederschelden und erkennt den damit verbundenen Plan einer Umpfarrung der Gemeindeglieder von Oberschelden nach Niederschelden an. Es legt jedoch Wert darauf, dass baldmöglichst die Gründung einer selbständigen Kirchengemeinde, bestehend aus Gosenbach und Oberschelden angestrebt wird".

Die Kirchengemeinde Oberfischbach beantragt am 21. Mai 1953 bei dem Landeskirchenamt ausführlich die Umpfarrung von Oberschelden. In dem Schreiben steht:"Wir haben den Beschluss nur schweren Herzens gefasst, ..... Für eine Abtrennung kommt aber nur Oberschelden in Frage. Wir erklären das nur ungern, weil Oberschelden ein besonders reges kirchliches Leben hat und auch wirtschaftlich den günstigsten Teil der Gemeinde darstellt".

Im Antragschreiben der Kirchengemeinde Niederschelden nach Bielefeld vom 23.5.1953 steht auch: "Zwischen Oberschelden und Gosenbach bestehen rege und lebendige Beziehungen. Die Gemeinschaften von beiden Orten sind bewusst kirchlich. Zu den Jahresfesten besuchen sich alle Vereine gegenseitig. Viele Ehen sind hin und her geschlossen worden".

 

Am 22. Oktober 1954 verfügt die Kirchenleitung, Oberschelden zum 1. September nach Niederschelden umzupfarren und am 20. November 1954, in Niederschelden eine weitere Pfarrstelle ab dem 1. Dezember1954 mit dem Pfarrsitz Gosenbach zu errichten. Am 1. Dezember 1954 zieht Pfarrer im Hilfsdienst, Adolf Steinle mit seiner Familie in das als Pfarrhaus erworbene und renovierte Haus Biesenbach, Am Kampen ein. Bis zur Fertigstellung der damals geplanten Kirche wurden sonntäglich in Oberschelden und Gosenbach, mit Rücksicht auf die Sonntagsschulen in den Vereinshäusern, abwechselnd um 8 Uhr und um 9 Uhr Gottesdienste gehalten.

Adolf Steinle erinnert sich:

Gemeindebrief: Die Landeskirche hatte am 20 November 1954 eine Pfarrstelle in Gosenbach genehmigt. Bereits 10 Tage später war Dienstbeginn des ersten Pfarrers in Gosenbach, Adolf Steinle. Wie konnte das so schnell gehen?

Pfarrer i. R. Adolf Steinle: Meine Hilfspredigerzeit in der Kirchengemeinde Krombach war Ende November 1954 beendet. Ich sollte nach dem Willen von Pfarrer Netz in Krombach bleiben und den Bezirk Eichen übernehmen. Eichen kannte ich gut und war dort freundschaftlich in meinem Dienst unterstützt worden. Superintendent Achenbach (Senior) bot mir aber die Pfarrstelle in Gosenbach an. Mich reizte die Aufgabe, einen eigenen Pfarrbezirk zu betreuen. Ganz überwältigt war ich auch von dem großen Vertrauensvorschuss des Presbyteriums und der Pfarrer in Niederschelden. Die hatten heimlich über Monate zwei Presbyter zu den Gottesdiensten in der Gemeinde Krombach geschickt. Auf die sonst übliche Probepredigt wurde daraufhin verzichtet. Ich bin gerne nach Gosenbach gegangen; und die Gemeinde wurde – und ist bis heute – meine erste Liebe. Ich habe viel Positives erfahren.

Gemeindebrief: Am 1. Dezember zogen Steinles im Pfarrhaus Gosenbach ein. Wurde Salz und Brot gereicht?

Pfr. Steinle: Niemand hat uns empfangen. Wir saßen alleine zwischen den Möbeln und aßen Kartoffelsalat, den meine Schwiegermutter aus Eisern mitgebracht hatte. Am späten Nachmittag kam Grete Denker und hieß uns ganz herzlich willkommen. Mit Grete Denker sind wir seitdem freundschaftlich verbunden. Am gleichen Abend kam Bürgermeister Bamberger. Aber durch die Hintertüre. Er wollte feststellen, ob wir nicht nach den Maßstäben der damaligen Zeit zu viel Wohnraum hätten. Es wurde daraus ein langes Gespräch bis in die Nacht. Jahre später, als es mit ihm zum Sterben ging, ließ er nur seine Frau, seine Kinder und mich an sein Krankenbett. Bei seiner Beerdigung gab ich der großen Trauergemeinde sein Vermächtnis weiter: "Man kann vielleicht über Jahre ohne Jesus leben wollen, aber nicht ohne ihn sterben." Es war wohl niemand bei der Trauerfeier, den dies letzte Bekenntnis unseres geschätzten Bürgermeisters nicht zutiefst berührt hat.

Gemeindebrief: Schon einen Tag nach dem Einzug ist ein Antrag auf Telefonanschluss gestellt worden. Am 15. Dezember teilte das Fernmeldeamt mit, dass ein Zweieranschluss vorgemerkt sei, die Herstellung sich aber verzögere. Hat das mit dem Anschluss lange gedauert?

Pfr. Steinle: Ich meine schon; eine recht lange Zeit, bis ein Zweieranschluss mit der Metzgerei Wurm eingerichtet war. Technisch gab es leider noch manche Panne. Wenn ich den Hörer aufnahm, konnte es sein, dass ich mitbekam, dass am anderen Ende gerade jemand Fleischwurst bestellte. Seelsorgerliche, vertrauliche Gespräche verboten sich da von selbst.

Gemeindebrief: Wie wurden die Wege in und zwischen den Dörfern bewältigt?

Pfr. Steinle: Ich hatte mir eine 175er Hoffmann zugelegt. Man saß vorzüglich auf dem Motorrad. Gott sei Dank habe ich nie einen Unfall auf den oft vereisten Straßen gehabt. Verdreckt, durchnässt und kalt kam ich manches Mal zum Gottesdienst in Oberschelden, und es blieb wenig Zeit zum Auffrischen in der kleinen Küche im Vereinshaus. Der aus der Aktentasche geholte, zerknittert übergezogene Talar vermochte nur teilweise die Spuren der Straße zu verdecken.

Bei einer Fahrt über holprige Straßen riss einmal der Kupplungszug. Ich schob die Maschine zur Reparatur zu Meiers Schmiede. Kritisch wanderte Herrn Meiers Miene von dem verschmutzten Motorrad zu dem nicht weniger verschmutzten Besitzer des Gefährts. Ich weiß nicht mehr, ob es Karl oder Walter Meier war. Dann seine mir unvergesslich gebliebene Bemerkung: "Jong, du könnst dat Modorrad och emōl botze.”

Wenig später betrat Herr Meier die Wohnküche und ich hörte mit an, wie er seiner Frau berichtete, auf Platt natürlich: "Da hat so ein Junge sein dreckiges Motorrad hingestellt und ist seitdem verschwunden." Frau Meier: "Vielleicht ist das der, der nebenan unsere kranke Mutter besucht." Später haben Herr Meier und ich oft über diese erste Begegnung herzlich gelacht.

Gemeindebrief: Herzlichen Dank für das Gespräch. Dürfen wir wiederkommen, um weiter berichten zu können?

Steinle: Herzlich gerne und Gott befohlen.

Marga und Ortwin Schmidt im Gespräch mit Pfarrer i. R. Adolf Steinle

Vom Maschinenhaus zur Kirche

"Die sprunghaft ansteigende Förderung des Eisensteins – begünstigt durch den Bau einer schmalspurigen Grubenbahn mit Pferdebetrieb nach dem Bahnhof Niederschelden – nötigte zum Anlegen eines zweiten Tiefbauschachtes, mit dessen Abteufen 1873 begonnen wurde. Er hieß "Neuer Schacht" und hatte einen größeren quadratischen Querschnitt als der alte Schacht, so dass im Förderkorb in 2 Etagen je zwei Förderwagen Platz hatten. (...) Wenn die Bergleute zur Tag- oder Nachtschicht durch den neuen Schacht 785 m tief, bis zur 17. Sohle einfuhren, war noch nicht das Ende das Ende der Einfahrt bis zur untersten Sohle gekommen". So schreibt Otto Krasa in der Chronik der Gemeinde Gosenbach.

Für die dampfgetriebene Fördemaschine, blankschwarz, mit chromblitzenden Gestängen und Leitern, hatte man eine große Halle gebaut. Lichtdurchflutet, geflieste Wände, mit bunten Friesen. Die Dachkonstruktion aus filigranem Eisen und aus Holz, ganz hell gestrichen. Schwarz- weise Bodenplatten, blitzblank gescheuert. Immer wieder trieb es mich als Kind in die Halle. Andächtig und still stand ich dann da. Glockenschläge aus der Tiefe - lautlos glitten Kolben über blanke Betten, drehten große Schwungräder und eine Seiltrommel, mal in rasender Eile, mal langsamer, wenn Personenfahrt war. Ein roter Pfeil glitt auf und ab über eine Skala, mit hellem Kling bei jeder Zahl, der Teufenanzeiger. Keine Spur vom Lärm und Schmutz der Grube. Der Weg von Oberschelden mit dem Mittagessen im Henkelmann für meinen Onkel war keine Plage. Am 30. Januar 1942 die letzte Förderschicht. Dann Schrottverwertung. Später hin und wieder ein Blick vom verbotenen Pfad entlang tiefer Löcher zum Honigsmund: kaputte Fensterscheiben, die Halle verdreckt, schmutzige tiefe Gräben und Löcher wo die Fördermaschine stand. Alles öde und trist.

Am 18. Februar 1955 – Adolf Steinle war noch keine zwei Monate Pfarrer für Gosenbach – wurde die Ruine besichtigt. Landeskirchenbaurat Nau notierte (Auszüge):

" Der Gemeinde Niederschelden ist ein stillgelegtes Maschinen-Gebäude des früheren Erzbergwerkes zur Verfügung gestellt worden. Sie beabsichtigt, dieses Gebäude als Kirche für den Gemeindeteil Gosenbach auszubauen. Das Gebäude ist in seiner Grundstruktur und Grösse von 12 x 18 m im lichten Raum für einen derartigen Ausbau geeignet. .... Um die beste Lösung für die Ausgestaltung der vorhandenen Substanz zu einer Kirche festzustellen, empfiehlt sich die Einholung von verschiedenen Vorentwürfen bei für diese Aufgabe geeigneten Architekten. ...- Den Architekten ist ein Programm mit den genauen Wünschen der Gemeinde zur Verfügung zu stellen. Die von der Gemeinde als möglich angesehenen Kosten müssen ebenfalls fixiert werden. Es ist ferner von den Architekten eine genaue Kostenermittlung zu erbitten, die sich auf den cbm umbauten Raum stützt."

Schon 2 Monate später wurde ein solcher Wettbewerb unter drei Architekten ausgeschrieben.

Die Turmseite der späteren Kirche.

 

Der Architektenwettbewerb

Pastor Steinle schreibt: "Gosenbach, den 28. Februar 1955

 

Auf Beschluss des Presbyteriums soll die Planung des Kirchbaus in Gosenbach sofort durchgeführt werden.

Falls Sie Interesse an der Ausarbeitung dieses Planes haben, bitte ich mir mitzuteilen, wann Sie in dieser Woche mit mir eine Ortsbesichtigung vornehmen können.

Telefonisch bin ich vormittags (ausser Mittwoch) zwischen 10 und 12 Uhr ... zu erreichen.

Mit freundlichem Gruss"

Baumeister Hans Becker, Architekt aus Niederschelden, Architekt Heinrich Brandes aus Siegen Und Architekt Meckel, Siegen waren ausgewählt worden. Architekt Brandes wundert sich zunächst: "... Wie ich Ihnen bereits sagte, war ich nicht wenig erstaunt über das Vorgehen des Presbyteriums. Aus dem gefassten Entschluß der Veranstaltung eines Wettbewerbs muss ich entnehmen, das dem Presbyterium nicht bekannt war, daß ich vor 2 Jahren und auch im vorigen Jahr auf Veranlassung des Herrn Superintendenten bereits 2 Vorentwürfe gemacht habe...."

Vom kirchlichem Bauamt erhielt die Kirchengemeinde am 14. April 1955 ein "Programm zur Erlangung von Vorentwürfen für den Ausbau einer Kirche in Gosenbach". Die Baukosten sollen 170.000 DM nicht überschreiten. Am 30.4.1955 erhalten die drei Architekten von der Kirchengemeinde Wettbewerbsunterlagen mit der Bestimmung, die Entwürfe mit verschlüsselter Verfasserangabe bis zum 6. Juni 1955, abends 19 Uhr im Pfarrhaus in Gosenbach abzugeben. Eine der Vorgaben lautet::

"9. ) Bauprogramm:

Im Kirchenraum sollen 400 – 450 Sitzplätze untergebracht bei evtl. Einbau einer Empore; gefordert werden ferner ein Turmbau mit Sakristei sowie Tauf- bzw. Wartezimmer mit Abortraum. Das Obergeschoß des Turmes soll für die Aufstellung eines Orgelharmoniums genutzt werden. Die Koksheizung ist in den Keller zu legen. Der vorhandene Tiefkeller des früheren Förder-Maschinenhauses ist als Jugendraum zu nutzen. Bei der Kirche ist auf eine genügende Parkfläche für Kraftfahrzeuge zu achten."

Das Preisgericht bestand aus 4 Fachpreisrichtern und den 3 Laienpreisrichtern: Pastor Steinle, Herr Rinsdorf und Kirchmeister Wunderlich.

In der "Niederschrift über die Gutachtersitzung für 3 eingereichte Entwürfe zum Bau der Kirche in Gosenbach am 22.6.1955" steht:

" Der Gutachterausschuß kommt einstimmig nach nochmaliger Beratung zu der Überzeugung, daß der Entwurf 131 291 die besten Voraussetzungen für die Ausführung bietet. Er beschließt deshalb, dem Auslober zu empfehlen, den Verfasser dieses Entwurfes mit der weiteren Bearbeitung der Aufgabe zu betrauen." Der Verfasser war Architekt Brandes.

Die Wettbewerbsentwürfe wurden der Gemeinde vorgestellt und die Gemeindeglieder an der Entscheidungsfindung beteiligt. In einer Unterschriftenliste sind 21 Stimmen für Entwurf Becker, 3 Stimmen für Entwurf Brandes, 1 Stimme für Zeichnung Meckel abgegeben worden. Den Vorschlag des Preisgerichtes hat man nicht angenommen. Architekten Becker aus Niederschelden hat die Ausführungspläne erstellt. Es war vorgesehen, den Fels hinter der Kirche für eine 3,50 m breite Fläche abzutragen und nach dort einen 2. Ausgang zu schaffen.

Von den Arbeiten der am Wettbewerb beteiligten Architekten und den vorher erstellten Vorentwürfen scheint nur die Skizze der abgebildeten Innenansicht erhalten.

Die Baukommission

Protokoll 4. August 1955, Tagesordnungspunkt 2.: " Presbyterium bildet eine Kommission mit P. Steinle als Vorsitzenden sowie den Presbytern Bänfer und Denker aus Gosenbach u. Presbyter Bäumer u. Mitglied der Baukommission Rinsdorf aus Oberschelden. Kommission erhält den Auftrag, den neuen Entwurf von Architekt Becker zu prüfen u. zu bearbeiten, die Finanzierung vorzubereiten und dem Presbyterium beschlussfähige Ergebnisse vorzulegen."

Am 26. April 1956, Vorlage der Resultate. in einer Sondersitzung des Presbyteriums. Die Kommission wurde zunächst um den neu gewählten Presbyter Fritz Fischbach aus Oberschelden erweitert und dann entschieden (Auszug): "1.…Diese Kommission wird bevollmächtigt, zusammen mit Herrn Architekt Becker die Ausschreibung für die zu erstellenden Arbeiten durchzuführen. 2. Presbyterium beschließt eine Kirche in Gosenbach nach den Entwürfen von Architekt Becker zu bauen. Presbyterium wünscht anstelle des Kreuzes im Chorraum eine andere Ausgestaltung. Der als Taufkapelle bezeichnete Raum neben dem Chorraum soll nicht als solche, sondern als Nebenraum bei überfülltem Gottesdiensten benutzt werden. Die Baukosten sind auf 200.000,- DM veranschlagt ohne Glocken, Orgel + Turmuhr. Es wurde einstimmig beschlossen für den Kirchbau in Gosenbach …… ein Darlehen von 100.000,- DM aufzunehmen. 3. Presb. Ist einverstanden, dass die beiden Berginvaliden Walter Schneider u. Adolf Bäumer aus Oberschelden im Rahmen der freiwilligen Arbeit an der Kirche in Gosenbach für Gezähe (Arbeitsgeräte) und Arbeitsleistung eine entsprechende Vergütung erhalten".

Den Bauantrag hatt Architekt Becker am 19. April 1956 eingereicht. Die Bauvorbereitungen begannen gleichzeitig.

Pastor i. R. Adolf Steinle erinnert sich noch lebhaft an das Baugeschehen vor 50 Jahren: "Hätten wir den Abbruch der alten Maschinenfundamente und der Giebelwand einem Unternehmer überlassen, dann wären das Geld für den Umbau schon vor der Grundsteinlegung alle gewesen. Es war Eigenleistung angesagt .Wir brauchten unbedingt einen Kompressor. Fritz Utsch und ich fanden bei einer Motorradfahrt irgendwo hinter Gießen, mitten auf dem Feld ein solches Gerät. Es wurde uns geschenkt. Herr Latsch hat es mit seinem Lastwagen geholt und zum Laufen gebracht. Viele Hände haben geholfen. Die Giebelwand zum Schacht hin haben wir an den Längswänden frei gestemmt, das Dach abgefangen und die Wand in einem Stück umgezogen. Mir graust es heute noch vor soviel Wagemut gegen den Rat von Fachleuten. Vor allem Frauen und Mädchen haben Steine geputzt. Von den vielen Helfern beim Kirchbau ist mir ein Mann in besonders dankbarer Erinnerung geblieben, Herr Weinbrenner, ein älterer Rentner aus Gosenbach.

Über viele Wochen hockte er Tag für Tag, bei jedem Wetter an der Baustelle auf der Kunst, putzte Steine und schichtete sie akkurat auf. Ob Herr Weinbrenner bei den monatlich stattfindenden Haussammlungen etwas beigetragen hat, weiß ich nicht. Dazu fehlten ihm gewiss die Mittel. Doch hat er auf seine Weise mitgeholfen, dass unsere schöne Kirche entstehen konnte."

Hier eine Rechnung von damals:

Vom 28. April bis zum 25. Juli hat Robert Hartmann Sprengarbeiten ausgeführt und dabei 50 kg Sprengstoffe, 132 Zünder und 14 Ringe Zündschnur verbraucht. Karl Grümbel notierte vom 15. Mai bis 13. August Kompressoreinsatz mit vielen Reparaturen an diesem Gerät. Ein Förderband war angemietet. Siegerländer Füllttröge, Vorhämmer, Kreuzhacken, Stiele und Sicherungen wurden beschafft. Emil Solms war Steiger auf "Storch und Schöneberg" gewesen. Vom 11. Mai bis 13. August hat er fein säuberlich Stundenlisten über Abbrucharbeiten geführt. Vom 15. Juli bis zum 3. September wurden Steine geputzt.

 

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Auf der großen Gottesdienstglocke stehen die Worte aus Psalm 50,15:

Rufe mich an in der Not

Die mittlere, die Totenglocke, trägt die 2. Zeile:

.... so will ich dich erretten

und auf der kleinen Glocke, die die Tageszeiten läutet:

.... so sollst du mich preisen.

    Bild: die Glocken eins und drei

 

 

                 

     Bild: Einweihung der Kirche am 23. März 1958

 

Innenansicht mit der 16-Register Orgel

 

Der Grundstein wird gelegt

Geprüft und Genehmigt durch Bauschein Nr. 347/56, wurde am 24.9.1956 vom Kreis Siegen auf die eingereichten Bauantragsunterlagen nach 5 Monaten Bearbeitungszeit gestempelt. In Zeichnungen und Beschreibung ist dargestellt, was aus dem Maschinenhaus werden sollte. Klar und deutlich schreibt der Architekt das Was, Wie . Was liest sich dann auszugsweise so: Das vorhandene Bauwerk wird zu einem Kirchenschiff umgestaltet. Die vorgesehenen Umbauarbeiten - bestehen in dem; 1. Höherlegen des Fußbodens im Keller und Erdgeschoß - und Einbau einer Stahlbetondecke über dem unterkellerten Teil, - 2. Einbau einer Orgel – und Sängerempore,- 3. Einbau neuer Fenster und Türen, 4. Ausbau des Haupteinganges mit Freitreppe und Überdachung, 5. Einbau einer gewölbten - Hängedecke. Durch profilgleiche Verlängerung des Bauwerkes um 6,00 m wird der Chorraum mit Taufkapelle gewonnen, und seitlich, zum Teil in diesen einbindend, ist der Turm vorgesehen.- Der Gemeindesaal im Kellergeschoß wird gegen Bodenfeuchtigkiet und Bodenkälte bestens isoliert.

Bestens isoliert?. Wie das gemacht wurde kann man in der späteren Rechnung nachlesen: Auf 10 cm dicker Stampfbetonplatte, eine Lage 3,2 mm dicke Teerpappe, darüber 3,5 cm starke Heraklithplatten mit Zementfeinschicht. Nach heutigem Empfinden zum Wohlfühlen viel zu wenig! Es mußte eben gespart werden.

Das Bild von der Grundsteinlegung am 2. September 1956 zeigt, daß von den Bauarbeiten schon ein gutes Stück erledigt war, als endlich der Bauschein eintraf. Die meisten Baugewerke waren auch schon an heimische Unternehmen vergeben: an Arnold, Oberschelden; Giesler Gosenbach und Stöcker, Oberschelden, die Maurer-, Beton- und Putzarbeiten; Diehl, Niederschelden, die Zimmerer-; Afflerbach, Niederschelden, die Dachdecker-; Nockemann, Oberschelden die Klemner- und Installationsarbeiten.

von links nach rechts:

Kirchmeister Wunderlich, Superintendent E. Achenbach sen., Pastor Adolf Steinle, die Bauunternehmer Hermann Arnold und Robert Giesler

 

Der 2. September war ein Sonntag. Im Rahmen eines Gottesdienstes hat man damals den Grundstein gelegt. Eine handgeschriebene Pergamenturkunde, eine "Siegener Zeitung", eine "Westfälische Rundschau", beide vom 1.9.1956, eine Ausgabe von "Unsere Kirche" mit Siegerländer Beilage, drei einzelne Zeitungsartikel und eine Statistik der Einwohner des Bereiches der Synode Siegen wurden in einen Behälter eingelötet. Der Behälter kam in eine Höhlung des Steines.

Der Grundstein ist in der Mauer im Turmtreppenhaus , am unteren Podest, hinter dem Handlauf eingelassen.

Von der handgeschriebenen Urkunde im Grundstein wird eine Kopie im Pfarramt verwahrt.

Ein wenig Geschichte der beiden Dörfer Gosenbach und Oberschelden ist darin dargestellt, vom Werden des Pfarrbezirkes Gosenbach wird berichtet, Umstände des Kirchenbaues sind umrissen, den Hoffnungen auf Gottes Segen an diesem Ort wird Ausdruck gegeben und die Namen der Mitglieder des damaligen Presbyteriums für die drei Pfarrbezirke der ev. Ref. Kirchengemeinde Niederschelden sind genannt. In einer Abschrift kann alles nachgelesen werden.

Abschrift_Urkunde_Grundsteinlegung

Ortwin Schmidt