Der Vers stammt aus dem Buch Tobias, auch genannt Tobit, das man vergeblich in der normalen Lutherbibel sucht. Man zählt es zu den Apokryphen, geschrieben etwa 200 v. Chr. In der katholischen und der orthodoxen Christenheit wird das Buch als Teil des Alten Testamentes angesehen, Luther sagt, es sei nützlich zu lesen, setzt es aber nicht den anderen Büchern des AT gleich. Eine kurze Beschreibung des Inhaltes kann man bei WIKIPEDIA unter „Buch Tobit“ finden.

Wer aus dem Vollen schöpfen kann, wird aufgefordert, Almosen zu geben. Zur Klärung: Almosen sind milde Gaben an Bedürftige, Bedürftige, von denen man keine Gegenleistung erwarten kann. Nächstenliebe soll praktiziert werden, soziale, diakonische Hilfe, Entwicklungshilfe, überall braucht man viel Geld und Leute, die die Arbeit tun. Wenn es dir möglich ist, gib viel, so die Aufforderung. Viel ist relativ. Hier kommt die Prozentrechnung ins Spiel. 2% von 100 Euro sind 2 Euro, 2% von 100.000 Euro sind 2.000 Euro. Womit lässt sich mehr anfangen? Die Frage ist überflüssig. Aber der Maßstab Jesu ist anders: „Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle anderen“, sagt er in Mark. 12,43 zu seinen Jüngern. Dabei war die Spende wahrlich gering, gerade mal ein Pfennig!

Wieviel habe ich? Was sollte ich geben? Wie schätze ich mich ein? Die Angst, vor Gott oder den Menschen erbärmlich da zu stehen, weil meine Gabe klein ist, scheint schon damals akut gewesen zu sein. Andere teilhaben zu lassen an meinem Reichtum, aber auch an meiner Zeit, meiner Kraft, meinen Ideen, das ist die Aufforderung, die durch den Monatsspruch an uns herangetragen wird. Wer wenig hat, von dem wird nicht viel erwartet, wer aber viel hat, von dem wird viel aus Dankbarkeit erwartet. Aber auch das Wenige soll aus Dankbarkeit gegeben werden. 

So sehr sich eine Gemeinde, ein Förderverein über Großspenden freuen, so dankbar ist man über die vielen kleinen Spenden und Unterstützungen, die sich am Ende zu einer großen Summe zusammenfügen, mit der gute Hilfen geleistet werden können.

Übrigens muss es nicht immer Geld sein! Ein Teil meiner Zeit für Altenbesuche, ein Teil meiner Kraft im Ehrenamt, ein Teil meiner Zeit für Kinder und Enkelkinder, ein Teil meiner Zeit für Gott (vielleicht alle zwei Monate einmal zum Gottesdienst?).

Unsere Welt, unser Dorf sähe anders aus, wenn wir alle nach unseren Möglichkeiten füreinander und für Gott da wären.

 

Rudolf Kessler