Liebe Leserin, lieber Leser,

eher hoffnungsvoll oder eher deprimierend, was der Prediger aus dem Alten Testament uns da vor Augen führt, der Prediger, der gar nicht predigen wollte, sondern eher ein Sammler war von Weisheiten seiner Zeit – seine wahrscheinlich bekannteste Erkenntnis ist ja auch die, das „alles seine Zeit hat“!

So ist auch dieser Vers ernüchternd und euphorisch zugleich – eben alles zu seiner Zeit. Gott hat uns Menschen die Perspektive Ewigkeit ins Herz gelegt, sozusagen im tiefsten Innern in uns verwurzelt, aber wir dringen in unser eigenes Ich nicht so weit vor, als das wir das ergründen könnten. So lange wir leben, werden wir Gottes Werk(e) nicht verstehen, nicht begreifen deren Anfang noch Ende.                                                     Wie gehen wir damit um? Fatalistisch, weil wir ja offensichtlich doch nur Spielball eines großen Planes sind oder doch eher initiativ, weil die Zeit zwischen Anfang und Ende doch Einiges an Spielraum bietet – das ist nämlich unser Leben. Und da ist doch letztlich jedes gleich viel wert: Das des geflüchteten Menschen so viel wie das des AfD-Funktionärs, das des Milliardärs so viel wie das des Bettlers, das des amerikanischen Präsidenten so viel wie das des Mexikaners hinter dem großen Zaun, das des verblendeten Terroristen so viel wie das der Kinder, von denen alle 6 Sekunden eines verhungert auf dieser Welt - Deins so viel wie Meins! Alle diese Leben haben einen Anfang und ein Ende, das wir nicht kennen und in ihnen schlägt ein Herz, in das hinein Gott den Puls der Ewigkeit gelegt hat.

Das hat Gott schön gemacht und es bleibt die Frage, warum wir es nicht auch schöner hinbekommen, wenigstens ein bisschen … nehmen wir uns zu wichtig, findet die Hoffnung einfach keinen Platz mehr zwischen den vielen schlechten Nachrichten und „fake news“, glauben wir, Anfang und Ende selber in die Hände nehmen zu können, lassen wir uns zu sehr beeindrucken von Menschen, die sich für wichtiger halten, als die Ewigkeit, die Gott in ihr Herz gelegt hat? Ich komme ins Grübeln …

Wenn Sie mögen, denken Sie mit mir gemeinsam in einer ruhigen Minute mal darüber nach, wenn Sie mögen, lesen Sie sich doch den Text des 200 Jahre alten Kinderliedes: „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“ von Wilhelm Hey (1818) noch einmal durch – und wenn nicht, dann lassen Sie es oder holen es irgendwann vielleicht nach! Eben: alles zu seiner Zeit …

Ich wünsche uns unter dem sommerlichen Sternenzelt den Blick für das Schöne und für all das, was unser Leben bei Weitem überragt!

Ihr/Euer

Arnd Kretzer