Monatsspruch Oktober 2018

Einen Teil der Geschichte kann man in Psalm 38 nachlesen: David geht es schlecht, grottenschlecht! Körperlich und seelisch ist er am Ende.

Warum?

Auch uns geht es nicht immer gleichbleibend gut. Das ist nun mal so. Wenn man alt und krank wird, wenn die beruflichen Belastungen zu hoch sind, wenn die Kinder andere Wege gehen, als wir ihnen zugedacht haben, wenn einen gute Freunde enttäuschen, wenn gar der Ehepartner uns fallen lässt, das hinterlässt Spuren. Beim Aufschreiben fällt mir auf, dass die Ursachen meiner Not nicht in mir begründet sind: Das Alter, der Beruf, die Kinder, die Freunde, der Ehepartner. Warum greift Gott nicht ein? Und dann ist Gott auch noch auf der Liste derer, die es nicht gut mit mir meinen.

David sieht eine Stufe tiefer. Vers 4: „Wegen meiner Sünde, Gott, geht es mir so schlecht, wie eine Last, die zu schwer geworden ist, drückt sie mich nieder.“ Er steht da wie der Zöllner, der nichts zu seiner Rechtfertigung benennen kann, nur noch „Gott sei mir Sünder gnädig“, hervorbringt.

Nun passt das Wort „Sünde“ kaum noch in unsere Zeit. Und wenn man etwas falsch gemacht hat, so die verharmlosende Formulierung, dann entschuldigt man sich einfach. Entschuldigung, sagt der Autofahrer, der betrunken einen jungen Menschen totgefahren hat bei der Gerichtsverhandlung und blickt in die Richtung der Eltern. „Entschuldigung“, sagt das Kind, das ein anderes getreten hat. „Entschuldigung“, sagt die Frau, die falsche Gerüchte weiterverbreitet hat.

Als ob das so einfach wäre. Niemand kann sich selbst von Schuld freisprechen. Nach meinem Verständnis kann doch nur der Geschädigte die Entschuldigung aussprechen, der Täter kann doch nur bitten und hoffen, dass ihm verziehen wird. Das hat David erkannt: Ich habe Schuld auf mich geladen, ich habe Gottes Regeln nicht eingehalten, ich bin ein Versager, ich bin nicht wert, „dein Sohn zu sein“, sagt später der verlorene Sohn.

Der Monatsspruch deutet an: David hat die Hoffnung, dass Gott ihm vergibt und einen neuen Anfang ermöglicht. „Dir ist meine Not nicht verborgen, alles liegt offen vor dir, dir brauche und kann ich nichts vorzumachen, auf dein Verzeihen bin ich angewiesen.“

Viel deutlicher ist die Nachricht im Neuen Testament: Christus hat unsere Schuld getragen, seine Barmherzigkeit und Güte ist uns zugesagt. Wir sollten uns mit unseren Problemen (Sünden) an ihn wenden.

Rudolf Keßler